Netzwerk für Einkommen, Versorgung und Krisensicherheit
Ein neues Leben aufzubauen gelingt leichter, wenn man nicht bei null und nicht allein anfangen muss. Dafür soll dieses Netzwerk entstehen. Auswanderer, Höfe und kleine Produzenten können sich zusammenschließen, ihre Fähigkeiten und Interessen bündeln, Waren gemeinsam präsentieren und liefern und sich Schritt für Schritt ein zusätzliches Einkommen aufbauen. Was im Alltag als wirtschaftliche Zusammenarbeit beginnt, kann in schwierigen Zeiten zu einem echten Versorgungsnetz werden.
Das Netzwerk funktioniert einfach und praktisch. Jeder konzentriert sich auf das, was ihn interessiert, was er gut kann oder was sein neuer Hof für Möglichkeiten hergibt. Es braucht drei Grundpfeiler:
Produktion, Vermarktung und gegenseitige Hilfe vor Ort.
Nur wenn alle drei funktionieren, entsteht daraus eine erfolgreiche Gemeinschaft.
Produzenten erzeugen Rohware oder fertige Produkte. Das können Gemüse, Obst, Honig, Kräuter, Eingekochtes, Trockenware, Holzprodukte oder andere Dinge sein, die sich in der Gegend sinnvoll herstellen lassen.
Veredler machen aus Rohstoffen höherwertige Waren. Aus Obst werden Mus, Sirup oder Gelees, aus Kräutern Mischungen, aus Nüssen oder Maroni lagerfähige Spezialprodukte. Dadurch steigt der Wert der Erzeugnisse deutlich.
Verkäufer und Kontaktleute pflegen die Verbindungen nach Österreich, Deutschland und in die Schweiz. Sie sammeln Bestellungen, bauen Stammkunden auf und nutzen Freunde, Familie und Bekannte als ersten Absatzkreis.
Darüberhinaus können kleine Dorfläden in der Region, die derzeit mehr und mehr von wachsenden Supermarktketten verdrängt werden, mit den frischen Waren beliefert und diese vor Ort verkauft werden.
Logistik und Transport bündeln die Waren. Je regelmäßiger und voller die Fahrten Richtung Westen sind, desto günstiger wird jede einzelne Lieferung. Dadurch profitieren alle Beteiligten. Vor allem, wenn diese Fahrten mit Personentransport verbunden werden, können die Bewohner stressfrei und günstig Freunde und Familie im Westen besuchen und gleichzeitig werden die eigenen Produkte ausgeliefert.
Gastgeber stellen Zimmer, Höfe oder Probewohnmöglichkeiten zur Verfügung. So kommen neue Leute in die Gegend, lernen das Netzwerk kennen und werden später vielleicht selbst Teil davon.
Handwerker, Organisatoren und Helfer vor Ort übernehmen Reparaturen, Umbauten, Lager, Trocknung, einfache Infrastruktur, Übersetzung, Behördengänge und die Betreuung von Flächen oder Höfen für Leute, die noch nicht dauerhaft vor Ort sind.
Jeder kann seinen Beitrag leisten: ein Produkt, eine Dienstleistung, Kontakte, Organisation, Transport oder praktische Hilfe. Wer sich im Netzwerk einbringt, kann sich seinen Zuverdienst aufbauen und im Krisenfall von der Gemeinschaft profitieren.
Gemeinsam organisiert werden die Produktseite, gemeinsame Liefertermine, Verpackung, Etiketten, Grundanschaffungen und später auch Vorsorgeelemente wie Vorräte, Saatgut, Wasser, Holz und Notfallkontakte.
Wirtschaftlich funktioniert das Modell, weil einzelne kleine Produzenten oft unrentabel sind. Gemeinsam entstehen mehr Auswahl, höhere Bestellwerte, billigere Lieferungen, bessere Sichtbarkeit, mehr Kontakte und mehr Vertrauen. So kann sich jeder je nach Fleiß, Fähigkeit und Bedarf etwas dazuverdienen.
Ein großer Vorteil liegt in den bestehenden Beziehungen der Auswanderer. Kontakte in ihre Heimatländer sind der erste Absatz für die Gemeinschaft. Wer ein gutes Produkt und den Menschen dahinter kennt, bzw. empfohlen bekommt, bestellt eher. Aus vielen kleinen privaten Verbindungen kann so ein tragfähiger Kundenkreis entstehen.
Je größer das gemeinsame Angebot wird, desto sinnvoller wird auch die gebündelte Lieferung. Einzelne kleine Pakete sind teuer, eine gemeinschaftlich organisierte Lieferung mit mehreren Produkten und mehreren Bestellungen wird deutlich wirtschaftlicher. Dies machen bereits funktionierende Produzentennetzwerke und solidarische Vermarktungsmodelle richtig: Sie bündeln Volumen, sparen Wege und erhöhen dadurch die Sichtbarkeit, die Wirtschaftlichkeit und die Wettbewerbsfähigkeit.
Für die Beteiligten hat das mehrere Vorteile.
1) kann sich jeder je nach Fleiß, Zeit und Notwendigkeit etwas dazuverdienen.
2) muss niemand sofort ein großes, riskantes Projekt starten.
3) entstehen mit der Zeit Spezialisierungen.
4) kann die Gemeinschaft gemeinsam einkaufen, etwa Gläser, Verpackung, Geräte, Saatgut, Futter, Werkzeuge oder Transportleistungen.
Ferner lässt sich auch Beherbergung aufteilen: Der eine hat Gästezimmer, der andere bekommt Besuch und hat keinen Platz. Dadurch wächst aus einzelnen kleinen Möglichkeiten ein gemeinsames Angebot.
Der eigentliche Wert dieses Netzwerkes zeigt sich aber erst ganz, wenn Zeiten schlechter werden. Wer heute schon produziert, tauscht, liefert und zusammenarbeitet, hat im Ernstfall weit mehr als nur gute Absichten. Dann gibt es Menschen mit Gärten, Tiere, Vorräte, Eingemachtes, Honig, Brennholz, handwerkliche Fähigkeiten, Fahrzeuge, Werkzeuge, Kontakte und eingespielte Abläufe. Aus einem Handelsnetz wird dann ein Versorgungsnetz. Menschen, die sich schon im normalen Alltag gegenseitig ergänzen, können sich auch in Krisenzeiten viel leichter gegenseitig stützen und schützen.
Dazu kommt ein psychologischer Vorteil, der oft unterschätzt wird. Viele Menschen würden eher auswandern, wenn sie wüssten, dass sie vor Ort auch eine Gemeinschaft mit praktischer Funktion vorfinden. Diese Gemeinschaft besteht bereits und kann in jede Richtung wachsen.
Hier einige Beispiele, wie Sie Ihr neues Leben mit einer sinnvollen Beschäftigung an der frischen Luft finanzieren bzw. unterstützen können:
Knoblauch
Wenn auf 1 Hektar etwa 3.000 Kilo Knoblauch geerntet werden und das Kilo über das Netzwerk für nur rund 5 bis 7 Euro verkauft werden kann, ergibt das etwa 15.000 bis 21.000 Euro Umsatz. Je nach Kosten für Pflanzgut, Pflege, Ernte, Sortierung und Verpackung bleiben davon grob 9.000 bis 14.000 Euro Gewinn. Der Arbeitsaufwand liegt meist bei etwa 450 bis 700 Stunden im Jahr. Das ist ein gutes Beispiel für den Einstieg, weil Knoblauch gut lagerfähig ist, leicht erklärt werden kann und im deutschsprachigen Raum in guter Qualität immer gefragt sein wird.
Hier liegt der Vorteil in der Veredelung. Aus Früchten, die roh nur begrenzt Erlös bringen, werden Produkte mit deutlich höherem Wert. Auf 1 Hektar guter Fruchtbasis sind konservativ etwa 12.000 bis 25.000 Euro Umsatz und 5.000 bis 12.000 Euro Gewinn möglich. Der Aufwand liegt meist bei 500 bis 900 Stunden. Für ein Netzwerk ist das stark, weil daraus schöne, hochwertige Produkte entstehen, die sich gut verschenken, verschicken und wiederverkaufen lassen.
Ein gut tragender Hektar kann etwa 4.000 bis 5.000 Kilo Feigen bringen. Frisch, getrocknet oder weiterverarbeitet sind damit rund 12.000 bis 22.000 Euro Umsatz und etwa 5.000 bis 10.000 Euro Gewinn möglich. Der Arbeitsaufwand liegt bei rund 300 bis 800 Stunden. Feigen sind attraktiv, weil sie hochwertig wirken, gut zu Süßwaren, Mus und Trockenprodukten passen und im deutschsprachigen Raum als besonderes Produkt wahrgenommen werden. Hier an der Donau wachsen diese zahlreich und zum Teil auch wild.
Walnüsse sind eine ruhige, langfristige Anlage mit wenig laufender Arbeit. Ein eingewachsener Hektar kann rund 6.000 bis 14.000 Euro Umsatz und etwa 3.500 bis 8.000 Euro Gewinn bringen. Der Arbeitsaufwand liegt oft nur bei 120 bis 320 Stunden im Jahr. Das ist interessant für Menschen, die mit wenig täglichem Aufwand einen wertigen, gut lagerfähigen Rohstoff erzeugen wollen.
Ein eingewachsener Bestand kann etwa 8.000 bis 16.000 Euro Umsatz und 4.000 bis 8.000 Euro Gewinn bringen. Wird ein Teil der Maroni zu Mehl verarbeitet, steigt der Wert spürbar. Dann sind etwa 10.000 bis 20.000 Euro Umsatz und 5.000 bis 10.000 Euro Gewinn möglich. Der Aufwand liegt bei rund 240 bis 420 Stunden. Das ist besonders spannend, weil aus einem einfachen Rohstoff ein Nischenprodukt mit deutlich besserer Marge wird.
Kräuter sind klein, leicht und wertvoll. Bei vorsichtiger Rechnung sind auf 1 Hektar etwa 10.000 bis 22.000 Euro Umsatz und 4.000 bis 10.000 Euro Gewinn möglich. Der Arbeitsaufwand ist mit 500 bis 1.200 Stunden höher als bei Knoblauch oder Nüssen. Dafür lassen sich viele kleine, gut verkäufliche Produkte herstellen, von Teemischungen bis Kräutersalzen, was sie als Nebeneinkommen interessant macht.
Mit etwa 50 Völkern und nur 20 Kilo Honig pro Volk entstehen ungefähr 1.000 Kilo Honig. Direkt verkauft, zusammen mit Wachs, Kerzen oder kleinen Zusatzprodukten, sind etwa 10.000 bis 15.000 Euro Umsatz und 5.000 bis 10.000 Euro Gewinn möglich. Der Aufwand liegt meist bei 350 bis 900 Stunden. Honig wird in hoher Qualität immer gefragt sein. Er hält ewig und dadurch, dass rund um das Eiserne Tor die Luft sehr sauber ist, ist er hier von ausgesprochen hoher Qualität. Ferner sind in der Gegend Unmengen an Akazien, welche einen der teuersten Honige bei uns liefern.
Aus Obst und Gemüse werden im Glas deutlich wertvollere Produkte. Mit konservativer Rechnung sind etwa 12.000 bis 25.000 Euro Umsatz und 4.000 bis 10.000 Euro Gewinn möglich. Der Arbeitsaufwand liegt bei 800 bis 1.500 Stunden. Das ist viel Handarbeit, aber auch eine Chance, weil man Überschüsse nutzen und daraus Produkte machen kann, die im Netzwerk sehr gut laufen.
Handwerk/Basteleien, z.B. Deko aus Schwemmholz
Wer mit Garten und Tieren weniger Freude hat, kann seine Kreativität einsetzen. Es gibt z.B. reichlich Schwemmholz entlang der Donau, das Material kostet also fast nichts. Wenn daraus einfache Deko, Lampen, kleine Möbel oder Wandobjekte gemacht werden, sind je nach Geschick und Absatz grob 5.000 bis 20.000 Euro Umsatz im Jahr möglich. Der Gewinn liegt meist bei 2.000 bis 10.000 Euro, der Arbeitsaufwand bei etwa 300 bis 1.000 Stunden. Der Vorteil ist, dass es ein schönes Zusatzgeschäft mit regionaler Geschichte ist.