Flora und Fauna im südlichen Banat. 

Einblick in die Wildnis. 

 Zwischen Donau, Kalkfelsen und den bewaldeten Ausläufern der Karpaten liegt ein Naturraum, in dem sich auf engem Raum Flussökosysteme, Trockenhänge, Schluchten und Weidelandschaften überlagern. Diese außergewöhnliche Strukturvielfalt macht die Region zu einem faszinierenden Arbeits- und Beobachtungsfeld für Biologen und Naturfotografen, die hier Zugvogelbewegungen, seltene Arten und ursprüngliche Lebensräume in unmittelbarer Nähe erleben können. 

 Ökologen, Botaniker, Ornithologen, Entomologen, Wildtierforscher und ambitionierte Landschaftsökologen, sowie Dokumentarfilmer finden hier ein seltenes Zusammenspiel aus Artenvielfalt, ursprünglichen Lebensräumen und wechselnden Lichtstimmungen, das wissenschaftliche Arbeit ebenso ermöglicht wie eindrucksvolle Bilddokumentationen. 

Wer an der Donau zwischen Baziaș und Orșova, sowie den dahinter liegenden Karpaten unterwegs ist, steht in einem der spannendsten Naturkorridore Südosteuropas. Der Nationalpark Eisernes Tor ist nicht nur eine spektakuläre Landschaft, sondern auch ein biologischer Übergangsraum, in dem sich Fluss, Fels, Gebirge, Wald, Weide und Trockenhänge auf engem Raum abwechseln. Genau diese Mischung macht die Region zu einem ausgeprägten Hotspot der Artenvielfalt. 

Für Vogelbeobachter ist die Donauachse besonders reizvoll, weil hier nicht nur während des Zugvogel-Durchzugs regelmäßig Arten auftreten, die in Mitteleuropa deutlich seltener zu sehen sind. Im Umfeld des Naturparks wurden über 200 Vogelarten erfasst, darunter streng geschützte. Als Beispiele werden unter anderem die Moorente, der Schreiadler und der Rötelfalke genannt.  Gleichzeitig sind in der Region auch viele auffällige „Charaktervögel“ heimisch, die man mit etwas Geduld gut beobachten kann, darunter Pirol, Bienenfresser und Eisvogel, insbesondere entlang strukturreicher Ufer und in mosaikartigen Kulturlandschaften. 

Die Besonderheit ist, dass das Spektrum nicht bei Vögeln aufhört. In den Felsbereichen, Schluchten und Höhlen des Gebietes gibt es große Fledermausvorkommen, und im Naturpark werden zahlreiche Arten genannt, teils mit bedeutenden Kolonien.  Dazu kommt eine Insektenwelt, die von der Landschaftsstruktur lebt. Extensive Nutzung mit Weidegang und Mahd hält Wiesen offen und schafft ein Mosaik aus kurzrasigen Flächen, Säumen, Gebüschen und Blütenhängen. Genau solche Bedingungen begünstigen eine hohe Vielfalt an Käfern und anderen Insekten, und die Region wird in entomologischen Arbeiten explizit als außergewöhnlicher Naturraum hervorgehoben.  In den warmen Trockenhängen entlang der Donau kommt zudem die Griechische Landschildkröte Testudo graeca vor. Das Gebiet zählt zu den nördlichsten stabilen Vorkommen dieser wärmeliebenden Art in Südosteuropa und unterstreicht den besonderen klimatischen Charakter der Region. 

Neben den großen Beutegreifern wie Wolf und Braunbär, die in den ausgedehnten Waldgebieten Richtung Karpaten stabile Rückzugsräume finden, ist die Region auch Lebensraum weiterer bemerkenswerter Säugetiere. Der Eurasische Luchs kommt in den bewaldeten Karpatenarealen vor, wenn auch scheu und selten sichtbar. In den Flussauen und ruhigeren Donauabschnitten lässt sich der Fischotter häufiger beobachten, während in strukturreichen Waldgebieten Wildkatzen, Rothirsche und Rehe heimisch sind. Auch Schwarzwild ist weit verbreitet, ebenso wie Dachs und verschiedene Marderarten, die von der abwechslungsreichen Landschaft aus Wäldern, Schluchten und Offenflächen profitieren. Diese Kombination aus großen Beutegreifern, typischem mitteleuropäischem Schalenwild und seltenen, scheuen Arten verleiht der Region einen ausgesprochen wilden Charakter, der in weiten Teilen Europas nur noch selten anzutreffen ist. 

Die Wälder und Hanglagen mit vergleichsweise hohem Anteil an stehendem und liegendem Totholz bieten darüber hinaus ideale Lebensbedingungen für seltene Käferarten. Neben dem streng geschützten Alpenbockkäfer (Rosalia alpina), der auf alte Buchenbestände angewiesen ist, treten auch Hirschkäfer (Lucanus cervus) und Nashornkäfer (Oryctes nasicornis) regelmäßig auf. In strukturreichen Waldabschnitten finden sich zudem verschiedene Prachtkäfer- und Bockkäferarten, die von alten Baumstämmen und natürlichen Zerfallsprozessen profitieren. Diese Kombination aus Wärmeinseln, extensiver Nutzung und natürlicher Waldstruktur macht die Region auch entomologisch besonders wertvoll. 

Botanisch gehört der Abschnitt entlang der Donauhänge zu den stärksten Argumenten für diese Region. Die fast senkrechten Kalkflanken und die kargen Steinböden sind nicht „leer“, sondern im Gegenteil dicht besiedelt von spezialisierten, teils seltenen und endemischen Pflanzen. Die Nationalparkverwaltung betonen die außergewöhnliche Vielfalt der Flora, die stark durch den schnellen Wechsel von Untergrund und Mikroklima geprägt ist. In der Monographie werden unter anderem thermophile Eichenwälder, Buchenbereiche, Reliktbestände der Banater Schwarzkiefer sowie artenreiche, durch traditionelle Nutzung erhaltene Grasländer beschrieben. Als Beispiel für charakteristische Pflanzen wird auch die Banater Pfingstrose genannt. 

Unterm Strich ist es genau diese Abwechslung, die wild romantisch wirkt und fachlich bemerkenswert ist. Innerhalb kurzer Distanzen wechseln Flussufer, Schilfzonen, Auwaldreste, Trockenhänge, Felsbänder, Schluchten, Weiden und Bergwälder. Für Naturfreunde, Biologen und Fotographen bedeutet das: An einem Tag kann man am Morgen Zugvögel am Strom beobachten, am Nachmittag auf einem Trockenhang seltene Pflanzen entdecken und am Abend in einem stillen Seitental die Spuren des Dachses finden und die Schakale beim Territorialruf belauschen.